Hamba

2017 – 2025

  

2017 begannen wir mit unserer Arbeit in Hamba, einer kleinen Siedlung bei Sura Mare. Der Vorteil in dieser Siedlung war: Die Bewohner wussten von unserer Arbeit in Sura Mare und wir mussten uns das Vertrauen, dass wir wirklich helfen, nicht erst mühsam erarbeiten.

 

Die Verhältnisse waren ähnlich denen in Sura Mare: Hütten ohne Strom und Wasser, Kinder gingen nur teilweise in die Schule, zerrüttete Familien, die die Bedürfnisse der Kinder kaum noch wahrnehmen konnten … und wieder der Hunger, der alle in die Knie zwang.

 

Wir fanden 25 Familien vor, die in ihrer ganzen Hoffnungslosigkeit gefangen waren, Kinder, die keinen Halt im Leben hatten und verzweifelte Mütter, die nicht wussten, wie es morgen weitergehen sollte und Väter, die vor Scham im Boden versinken wollten, weil sie es nicht schafften, für ihre Familien zu sorgen.

 

Aber diesmal hatten wir schon einen Plan. Die erste Phase begann und das bedeutete, dass wir die Familien stabilisierten, indem wir für genug Essen sorgten. Man kann sich kaum vorstellen, wie erleichtert viele waren, endlich in unser Programm zu kommen und endlich regelmäßig Lebensmittelhilfen zu erhalten, so dass zumindest erstmal niemand hungern musste.

 

Parallel dazu nahmen wir die Kinder in das Nachmittagsprogramm in Sura Mare auf. Ein Mittagessen und Hilfe bei den Hausaufgaben gaben den Tagen Struktur und den Familien die Sicherheit, dass ihre Kinder bis Nachmittag gut versorgt und betreut waren.

 

In der zweiten Phase begannen wir damit, die Wohnverhältnisse zu verbessern. Dabei banden wir die Familien so gut wie möglich ein. Wir lieferten das Baumaterial und sie bauten und renovierten. Es wurden Dächer gedeckt, ganze Häuser gebaut, Bäder installiert und Strom und Wasser gelegt. Nach und nach kamen Kühlschränke und Waschmaschinen, neue Öfen und Möbel hinzu. Die Wohnverhältnisse änderten sich grundlegend und wir merkten schnell, wie das die Familien weiter stabilisierte.

 

Bauen und Essen ist das eine … aber jetzt begann Phase 3: Begleitung der Familien in allen Lebensbereichen. Unsere Sozialarbeiter gaben Hilfestellungen bei der Kommunikation mit Behörden, Schulen und Ärzten, halfen bei der Suche nach einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung und wir unterstützten Auszubildende mit einem Stipendium.

 

2025 konnten schließlich 20 der Familien unsere Hilfe verlassen. Sie standen auf eigenen Beinen. Die Wohnverhältnisse waren immer noch klein, aber fein. Die Familien hatten damit begonnen, auch ohne unsere Hilfe weiter zu bauen und zu renovieren. Alle Kinder gingen regelmäßig in die Schule. Väter standen wieder stolz und aufrecht: Sie konnten ihre Familie versorgen und hatten ihnen ein Heim geschaffen. Mütter sahen hoffnungsvoll in die Zukunft. Die Beratung und Finanzierung der Familienplanung hatte dazu geführt, dass sie kraftvoller waren und sich besser um ihre Kinder kümmern konnten. Viele gingen inzwischen einer Teilzeit-Beschäftigung nach. Die Gesundheit der Kinder hatte sich aufgrund der guten Ernährung massiv verbessert.

 

In zwei Familien waren Kinder aufgrund von Gewalt in Obhut genommen worden. 4 der Kinder leben in unseren Kinderhäusern. Auch wenn die ambulante Hilfe in diesen Familien nicht helfen konnte, so führte sie doch dazu, dass das Schicksal dieser Kinder überhaupt bemerkt wurde und auf unser Drängen hin vom Jugendamt eingegriffen wurde. Ohne die kontinuierlichen Kontakte zu Familien und das vertrauensvolle Verhältnis der Kinder zu unseren Sozialarbeitern wären die Probleme gar nicht erkannt worden.

 

Wie immer war es für unser Team nicht so einfach, Abschied zu nehmen. Die Familien waren ihnen ans Herz gewachsen. Die Familien wurden nicht müde, sich zu bedanken, dass sie durch unser Programm eine solche Chance bekommen hatten. Die Chance, ein normales Leben zu führen. Besonders hatten sie geschätzt, dass wir nicht auf sie herabgesehen hatten. Wir waren in der Zeit zu Partnern geworden. Auch sie hatten einen großen Teil zum Gelingen beigetragen. Ihre eigene Kraft, die sie damals erst wieder finden mussten, hatte entscheidend dazu beigetragen, dass unsere Hilfe die berühmte „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden konnte. Wir und sie waren ein Team geworden.

 

Wir entlassen in die Selbständigkeit 20 Familien, die wieder zu sich selbst gefunden haben, die ihre Zukunft selbst gestalten können und in denen jetzt eine Generation heranwächst, die selbstbestimmt ihr Leben in die eigenen Hände nimmt.